Wie man Kindern hilft, mit der Angst vor dem Scheitern umzugehen

Wie man Kindern hilft, mit der Angst vor dem Scheitern umzugehen

Wenn ein Kind vermeidet, etwas Neues auszuprobieren, geht es meist weniger um die Angst, es falsch zu machen, als um die Angst, „als jemand gesehen zu werden, der Dinge falsch macht”. Diese Angst kann so stark werden, dass ein Kind es vorzieht, es gar nicht erst zu versuchen, statt zu scheitern und kritisiert zu werden — das lähmt den grundlegendsten Motor des Lernens: den Mut, es zu versuchen.

Ein volles Klassenzimmer hört einer Lehrkraft zu

Woher kommt die Angst?

Die Angst vor dem Scheitern wird meist irgendwo gelernt. Wird ein Kind ständig nach dem Ergebnis bewertet — wenn Lob wie „gut gemacht, volle Punktzahl” nur für makellose Ergebnisse kommt — beginnt es mit der Zeit, den eigenen Wert mit der eigenen Leistung gleichzusetzen. Kommt dann noch eine enttäuschte oder gereizte Reaktion hinzu, sobald ein Fehler passiert, lernt das Kind, nicht den Fehler selbst zu fürchten, sondern die emotionalen Folgen, die dieser Fehler auslösen wird.

Perfektionismus ist keine Tugend, sondern ein Risiko

Viele Eltern und Lehrkräfte belohnen Perfektionismus unbeabsichtigt, weil ein sauberes, fehlerfreies Ergebnis kurzfristig lobenswert wirkt. Studien zeigen jedoch, dass Kinder mit starker Perfektionismus-Neigung eher neue und herausfordernde Aufgaben meiden — weil das Risiko, dabei zu scheitern, gefährlicher erscheint als „perfekt” bei einer vertrauten, leichten Aufgabe zu sein. Das ist eine heimtückische Falle, die die Wachstums- und Lernmöglichkeiten eines Kindes einengt.

Wie hilft ein Growth Mindset?

Das von der Psychologin Carol Dweck entwickelte Konzept des „Growth Mindset” beschreibt die Überzeugung, dass Fähigkeit nicht fest ist, sondern sich durch Anstrengung und Übung entwickeln lässt. Kinder, die diese Haltung annehmen, deuten einen Fehler als „das habe ich noch nicht gelernt” statt als „ich bin nicht gut genug” — diese kleine sprachliche Verschiebung bestimmt maßgeblich, wie bereitwillig ein Kind an den nächsten Versuch herangeht.

Konkrete Schritte für Eltern und Lehrkräfte

  • Den Prozess loben, nicht das Ergebnis: Geben Sie statt „du bist so klug” anstrengungsorientiertes Feedback wie „du hast bei diesem Problem nicht aufgegeben, du hast verschiedene Wege ausprobiert”.
  • Eigene Fehler teilen: Wenn ein Erwachsener nach einem Fehler ruhig sagt „das habe ich falsch gemacht, ich versuche es noch einmal”, zeigt das dem Kind, dass Fehler keine Katastrophe sind.
  • Das Wort „noch” benutzen: „Das kann ich noch nicht” statt „das kann ich nicht” zu sagen, erinnert daran, dass Fähigkeiten sich entwickeln können.
  • Kleine Risiken fördern: Versuche bei Aufgaben mit ungewissem Ausgang und geringem Risiko zu feiern, baut Mut für größere Risiken später auf.
  • Vergleiche vermeiden: Ein Kind mit einem Geschwister oder Klassenkameraden zu vergleichen vertieft die Angst vor dem Scheitern weiter; vergleichen Sie den Fortschritt stattdessen mit der eigenen Vergangenheit des Kindes.